Höhlenfotografie

Die Höhlenfotografie erfüllt nicht nur ästhetische Ansprüche, sie dienst in erster Linie der Dokumentation der Höhle. In den Anfangszeiten war die Höhlenfotografie eine sehr exklusive Angelegenheit. Kameras waren teuer und nur wenige waren dann auch noch verrückt genug eine dieser Kameras mit unter die Erde zu nehmen, sie Dreck, Feuchtigkeit und einem holprigen Transport auszusetzen. Auch die Ausbeute an brauchbaren Fotos war ehr gering. Wirklich gute Höhlenfotografen haben es auf 4-5 gute Fotos pro 36iger Film gebracht.
In den 80iger Jahren kamen immer mehr kleine Spiegelreflexkameras auf dem Markt, die auch für den Normalverdiener erschwinglich waren. Damit stieg auch die Zahl der Höhlenfotografen und die Dokumentation der Höhlen wurde deutlich erschwinglicher.
Mit der Einführung digitaler Kameras zu humanen preisen, explodierte förmlich die Zahl der Menschen die sich Höhlenfotograf nennt. Die Dokumentation der Höhlen wurde unglaublich einfach und schnell, leider jedoch auch die Schäden, die die Masse an Fotografen verursachte. Leider gab es eben auch immer mehr, denen ein tolles Foto wichtiger war, als der Schutz der Höhle. Menschen auf Tropfsteinformationen, ausgelegte Blitze in empfindlichen Bereichen und abgebrochene Tropfsteine waren das Resultat.
Die digitale Revolution hatte aber nicht nur negative Auswirkungen. Durch die Möglichkeit noch vor Ort die Lage von Blitzen, Modellen und Winkeln zu korrigieren, wurde die Ausbeute an guten Fotos erheblich gesteigert. Die Qualität wurde immer höher und die Ansprüche gleichermaßen. Teilweise begann sogar ein kleines Wettrüsten unter den semiprofessionellen Höhlenfotografen.
Für mich ist die Höhlenfotografie eine Kunst für sich, die Kunst Licht in die ewige Dunkelheit zu bringen und anderen Menschen etwas von der Faszination zu zeigen, die mich immer wieder unter die Erde zieht. Mittels Höhlenfotografie bringe ich Bilder ans Tageslicht, die anderen Menschen zeigen soll, wie wunderschön wie Welt dort unten ist, wie filigran und vor allem, wie schützenswert diese ist. Nur durch diese Höhlenfotos kann die breite Masse sehen und zumindest zum Teil miterleben, was wir Höhlenforscher unter der Erde zu Gesicht bekommen.
Somit ist die Höhlenfotografie auch in Mittel zum Zweck und dient dazu zu sensibilisieren du den Schutz der Höhle zu beanspruchen und zu fordern. Dabei unterscheide ich in zwei Arten von Höhlenfotos. Es gibt die, die rein zu Dokumentation sind, denen ich auch keinen ästhetischen Wert abverlange. Dann gibt es noch die, die auch dokumentieren sollen, gleichzeitig aber eine gewisse Ästhetik zeigen müsse. Das sind dann diese Fotos, vor denen Höhlenforscher, Interessierte, Wissenschaftler und Laien stehenbleiben und diesen WOW-Ausdruck im Gesicht haben.
Ein gutes Höhlenfoto ist nicht mal eben im Vorbeigehen geschossen, ein gutes Höhlenfoto braucht seine Zeit. Es verlangt viel Geduld und Ausdauer, vom Fotografen, in erster Linie aber von den sogenannten Blitzsklaven und Modellen. Eine gewisse künstlerische Ader, eine gute Portion Vorstellungsvermögen und etwas Geometrie gepaart mit Mathematik, runden die Kenntnisse eines Höhlenfotografen ab.

Meine Vorgehensweise bei einem Höhlenfoto ist in etwa wie folgt. Ich sehe ein Motiv und habe sofort eine Idee, wie ich dieses möglichst gut ins Szene setzen kann. Um die Feinheiten auszuarbeiten, setze ich mich an den Punkt, von dem aus ich mein Foto machen möchte. Sobald die Kamera auf dem Stativ steht und ich den Ausschnitt im Sucher sehen kann, beginnt die erste Justierung. Bei dieser geht es darum, den richtigen Ausschnitt zu wählen, so das alles wichtige zu sehen ist und alles unwichtige außerhalb des sichtbaren Bereichs liegt.
Meist bitte ich an dieser Stelle schon ein Model ein oder zwei Blitze mitzunehmen, um sie entsprechend meiner Anweisungen zu positionieren. Durch meinen Sucher kann ich nun bereits schon sehen, ob sie richtig liegen oder eben falsch und mit direkt ins Objektiv knallen könnten. Meine Blitze rüste ich mit einem Funkauslöser aus (Das System stelle ich weiter unten vor). Sollte ich nicht genügend Funkauslöser haben, lasse ich auch gerne einen Blitz manuell auslösen vom Blitzskalven.
Wenn ich alle Blitze richtig positioniert habe, muss ich nur noch meine Modelle ins rechte Licht rücken, bevor ein erstes Test Foto geschossen wird. Mittels dieses Test Fotos erkenne ich, ob alles gut ausgeleuchtet ist, die Blitze wirklich richtig liegen und die Modelle an den richtigen Plätzen sitzen/stehen/liegen.
Kleiner Einschub zum Thema Modelle: Modelle sollten einen möglichst guten Kontrast zur Umgebung haben. Höhlen sind in der Regel dunkel und lehmig, somit sind braun und schwarz die dominierenden Farben. Einen sehr guten Kontrast dazu sind rote oder gelbe Schlaze und weiße oder gelbe Helme. Nicht sehr vorteilhaft sind die Farben pink, blau und schwarz. Auch in besonders weißen und versinterten Passagen sind schöne und deutliche Kontraste hilfreich um Leben ins Bild zu bringen.
Es ist auch entscheidend, wie das Modell positioniert ist. In unseren Breitengraden lesen wir von links nach rechts. Schaut unser Modell ebenfalls von links nach rechts, wirkt das Bild offen und lesbar. Schaut das Modell aber von rechts nach links, dann wirklich es verschlossen und unleserlich. Wer dies nicht glaubt, der soll doch ein entsprechendes Foto einmal nehmen und Freunden zeigen in der originalen Version und in einer gespiegelten. Der Unterschied ist immens. Höhlenfotografie wird immer mehr eine Wissenschaft für sich.
Einschub zur Motivauswahl: Der Mensch ist von Natur aus nur dazu in der Lage, den einen wichtigen Punkt in einem Bild zu erkennen und fixiert diesen automatisch. Erst nach langem Betrachten eines Bildes nimmt er auch den Rest bewusst war. Aber es ist dieser „Eyecachter“ der den Menschen dazu bringt, sich ein Bild überhaupt länger anzusehen. So ist es auch bei der Höhlenfotografie. Es sollte auf jedem Bild nur einen zentralen Punkt geben, um den herum das Bild aufgebaut ist. Dieser Punkt ist es, der von dem oder den Modell/en angeguckt werden muss, um direkt die Aufmerksamkeit darauf zu lenken. Mehr als ein Highlight pro Bild oder gar kreuz und queer guckende Modelle machen ein Bild sehr unruhig.
Wenn alle Vorbereitungen getroffen sind, wird das eigentliche Foto geschossen. Damit ist jedoch nicht gemeint, dass ich nur einmal das Foto mache. Ganz im Gegenteil, es werden unzählige Aufnahmen gemacht mit verschiedenen Blenden und Belichtungszeiten. Einzig die ISO Zahl lasse ich immer gleich. Für meine Höhlenfotos nutze ich immer ISO 100, da ich so keinerlei Rauschen auf meinen Fotos habe.
Jedes einzelne Foto kontrolliere ich, ob es auch wirklich scharf geworden ist, an den entsprechenden wichtigen Stellen. Gegebenenfalls justiere ich noch einmal nach und mache das gleiche Foto so lange, bis es wirklich scharf ist.

Meine Einstellung zu Bildbearbeitung ist zwiegespalten. Einerseits ist es natürlich so möglich, ein mittelmäßiges Foto in ein gutes Foto zu verwandeln. Andererseits aber, wenn ich nicht in der Lage bin in der Höhle ein gutes Höhlenfoto zu schießen, bringt es mir auch nichts mit Bildbearbeitung nachzuhelfen. Durch Bildbearbeitung wird man nicht zu einem guten Höhlenfotografen. Ich benutze Bildbearbeitung nur, wenn auf einem bereits guten Bild ein kleiner Bereich unschön aussieht. Diesen Bereich korrigiere ich in einem Maß, in dem ich für mich selber sagen kann, dass ich das Bild nicht zu sehr manipuliert habe. Das ist meine Einstellung zu diesem Thema, jeder kann dies natürlich so halten wie er oder sie es für richtig hält.
Essenziell für die Höhlenfotografie ist natürlich die Ausrüstung des Höhlenfotografen. Ich möchte hier einen Teil meiner Ausrüstung vorstellen, denn ich denke, dass der ein oder andere Tipp bestimmt hilfreich sein kann für Anfänger oder einfach um zu sehen womit andere Höhlenfotografen so arbeiten. Eine Kamera werde ich nicht vorstellen, da hat jeder seine ganz eigenen Präferenzen und Vorstellungen.

Funkauslöser von Yongnuo
Funkauslöser von Yongnuo (auch bei Amazon erhältlich)

Funkauslöser:
Die Auslöser von Yongnuo sind unschlagbar im Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Reichweite ist super und hat für mich bisher in allen Höhlen ausgereicht. Selbst durch oder um kleine Hindernisse herum haben sie bisher tadellos funktioniert. Durch ihren Blitzschuh können sie auch als Auslöser auf der Kamera aufgesetzt werden, was eine wesentlich geringere Belichtungszeit ermöglicht. So ist es dann auch möglich, dass die Modelle ihre Helmlampen leuchten lassen. Das gibt oft eine besondere Note auf dem Bild. Es ist sogar möglich eine Spiegelreflexkamera mit diesen Auslösern auszulösen, um so ein absolut wackelfreies Bild aufzunehmen.
Sparsam sind die Funkauslöser Yongnuo auch noch. Geladen werden sie mit drei AA Zellen. Bisher habe ich es noch nie geschafft, die Batterien leer zu bekommen. Aus Verzweiflung habe ich irgendwann vorsichtshalber die Batterien gewechselt.

Für mich eine besonders wichtige Funktion und ein Kaufkriterium bei den Funkauslösern war die Möglichkeit Gruppen zu erstellen (6 an der Zahl). Ich kann jedem Auslöser einzeln einer Gruppe zuordnen und dann beim Foto alle Blitze oder nur einzelne Gruppen auslösen oder eine Gruppe mehrfach auslösen lassen. Die Möglichkeiten sind so zahlreich, es würde den Rahmen hier sprengen sie alle aufzuzählen. Außerdem geht es hier um die Höhlenfotografie.

Blitze:

Yongnou Blitz
Blitz mit eingebautem Funkauslöser von Yongnuo (auch bei Amazon erhältlich)

Wenn man die Funkauslöser von Yongnuo benutzt, macht es Sinn auch die Blitze von Yongnuo zu benutzen. Die sind vom Preis-Leistungs-Verhältnis an sich auch unschlagbar. Außerdem können sie mit den Funkauslösern verbunden werden, ohne dass sie einen extra Auslöser dafür benötigen.

Wem neue Blitze zu teuer sind für die Höhle, dem kann ich nur empfehlen, einfach mal bei Ebay rein zu schauen. Dort gibt es gelegentlich Auktionen bei denen die Blitze für unter zehn Euro zu haben sind. Es sind dann vielleicht nicht die neuesten Blitze oder die schönsten, aber sie blitzen und machen Licht.

Empfehlung für Blitzsklaven:
Zieht euch von vorneherein warm an oder nehmt euch zumindest etwas Warmes zum Anziehen mit. Ein gutes Foto braucht mitunter weit über eine Stunde und da kann es dann schon richtig kalt werden. Aus diesem Grund kann ich auch nur empfehlen etwas warmes zum Trinken und ausreichend Essen dabei zu haben. Am wichtigsten aber ist: Bringt sehr viel Geduld für euren Fotografen mit, er kann es brauchen und wird unendlich dankbar sein für eure Hilfe.

Tipp für Höhlenfotografen:
Nehmt euch ausreichend Flüssigkeit mit. Höhlenfotografie ist anstrengender als man denkt. Und ganz wichtig, nehmt euch ein Handtuch oder ähnliches mit, um euch den Schweiß abzuwischen.